Sautanz am Hansberg: Blut, Herz und Schmee

Wenn man am Hansberg zum Sautanz mit Max Stiegl pilgert, sollte man wissen, worauf man sich einlässt. Das hier ist kein nettes Hoffest mit ein bisschen Speck und Bier. Das ist eine Zeremonie. Eine Provokation. Eine fleischgewordene Kulturkritik – mit rohem Schweineherz als Hostie.

Kulturpolitisch korrekt, juristisch nicht einwandfrei – und verdammt ehrlich

Schon das Sautanz-T-Shirt, das neben aufgebarten Innereien hängt, sagt, was Sache ist: „Kulturpolitisch korrekt, juristisch nicht einwandfrei: Sautanz – Pannonische Tradition.“ Wer hier mitmacht, bekommt kein Menü, sondern eine Erfahrung. Ab 08:00 Uhr früh wird zerlegt, gekocht und – ganz wichtig – „Schmee geführt“. Željko Rašković aka Max Stiegl, der burgenländische Spitzenkoch mit slowenischen Wurzeln ist Zeremonienmeister, Entertainer und Fleischflüsterer in einem. Er steckt den Gästen rohes Herz in den Mund, als wäre es Kommunion. Sein fleißiges Team, dem unter anderem auch Stiegl’s Sohn angehört werkt, schneidet, teilt aus und liefert sich das ein oder andere Wortgefecht mit dem Chef. Und die Leute? Sie stehen Schlange. Sie hängen an Stiegls Lippen. Sie lachen über seinen rabenschwarzen Humor und tunken frisches Brot in gesalzenes Schweineblut.

Vom Rüssel bis zum Schwanzerl – alles hat Wert

Hier wird nichts versteckt. Das Herz wird roh verkostet, die Leber mit Majoran geröstet, das Blut gesalzen, der Bauch fetttriefend geschmort. Grammeln knuspern, Ohren dampfen. Alles wird verarbeitet, alles wird verspeist. Wer Innereien meidet, ist hier fehl am Platz. Wer Fleisch nur als Filet kennt, wird hier bekehrt.

Denn Stiegls Botschaft ist klar: Es gibt kein schlechtes Stück vom Schwein. Fleisch ist zu wertvoll, um es zu verschwenden. Das Tier wird nicht nur genutzt, es wird zelebriert. Mit Respekt, aber auch mit einer gewissen Lust am Grenzüberschreiten.

Die Fleischbank als Bühne – ein Fest für die Sinne

Die Gastwirtschaft von Anneliese und Hannes Steinmayr ist der perfekte Ort für diesen bewussten Akt. Hier kommt nur Fleisch vom eigenen Hof auf den Teller. Und beim Sautanz wird daraus ein Spektakel Das Publikum? Ein Mix aus Mühlviertler Fleischhacker-Elite, neugierigen Gastronomen und Menschen, die wissen wollen, was passiert, wenn man ein Schwein nicht nur isst, sondern erlebt.

Die Antwort: Man bekommt Bewusstsein. Man bekommt Übertreibung. Man bekommt einen Spiegel vorgehalten – und vielleicht auch ein bisschen Übersättigung. Denn wer hier mitmacht, geht am Abend satt, beeindruckt und vielleicht auch ein wenig irritiert nach Hause. Und am nächsten Tag? Da lässt man das Fleisch vielleicht einmal aus. Nur zur Sicherheit.

Fazit: Der Sautanz ist nichts für zarte Seelen – aber ein Statement gegen die Entfremdung vom Tier. Max Stiegl serviert keine Gerichte, sondern Wahrheiten. Und die schmecken manchmal blutig.

📷 Text und Fotos von Matthias Gahleitner

Weitere Neuigkeiten aus aus St. Veit im Mühlkreis und dem Hansbergland

Euregio: Auftrag, Verantwortung und Bedeutung für das Mühlviertel

Die EUREGIO Bayerischer Wald–Böhmerwald / Regionalmanagement Mühlviertel hat uns bei der Umsetzung der erste Ausgabe des TELVIN Magazins unterstützt - wir stellen die Organisation vor.

Zum Beitrag

30 Jahre Noppen Air: Ein Jubiläum voller Stimmung, Gemeinschaft und unvergesslicher Momente

Von 24. bis 26. April 2026 wurde Neußerling erneut zum Hotspot für Musikliebhaber. Das 28. Noppen Air lockte an drei Tagen zahlreiche Besucherinnen und Besucher auf den Noppenhof – und bewies eindrucksvoll, warum es zu den beliebtesten Open-Air-Events der Region zählt.

Zum Beitrag

Lang leb(t)e die Dorfdisko – über das langsame Verschwinden der ländlichen Diskokultur

Warum die Dorfdisko im Mühlviertel mehr ist als nur ein Ort zum Tanzen – und warum sie zu verschwinden droht.

Zum Beitrag

Tolle Stimmung am 27. Noppen Air Festival

Im kleinen Dorf Neudorf wurde zum 27. Mal die österreichische Open Air Festivalsaison eröffnet. Wir haben die schönsten Eindrücke vom Fest.

Zum Beitrag

Mehr Raum für Regionalität

In St.Veit hat ein ein topmoderner Lagerhaus-Standort, der Maßstäbe setzt – funktional, kundenfreundlich und mit starkem Bezug zur Region.

Zum Beitrag

Kraft.Quelle.Baum. die stille Macht der Natur gleich ums Eck

Der Kraft-Quelle-Baum Wanderweg mehr als ein Rundweg durch das wunderschöne Hansbergland.

Zum Beitrag

Frühling am Hansberg: Die Gastwirtschaft startet am 1. Mai in die neue Saison

Ab 1. Mai 2026 öffnet die Gastwirtschaft am Hansberg wieder ihre Türen – mit frischem Schwung, neuen warmen Gerichten und der gewohnt gemütlichen Atmosphäre. Auch 2026 ist das Haus ein Ort für genussvolle Stunden, schöne Begegnungen und besondere Feiern.

Zum Beitrag

Geschenkideen aus der Region

Weil das Christkind keine Containerschiffe braucht. Gerade zu Weihnachten lohnt es sich, bewusst in der Region einzukaufen.

Zum Beitrag